
ISBN 3-935327-12-9
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Mittendrin ist nicht genug
Gedankensplitter von Jens Neuling
mit Illustrationen von Michael Blümel
ISBN 3-935327-12-9
Nicht mehr lieferbar.
Rezension von Tobias Bachmann:
Jens Neuling, Herausgeber der Literaturzeitschrift "Maskenball", legt mit seinem kleinen Bändchen "Mittendrin ist nicht genug" ein Buch vor, das es in sich hat. Als "Gedankensplitter" bezeichnet der Autor die darin enthaltenen Gedichte, Aphorismen, kurze Parabeln, und prosaische Essays. Gewürzt werden diese mit faszinierenden Illustrationen des Zeichners Michael Blümel. Die äußere Form des Werkes deckt somit auf jeden Fall die Zufriedenheit des Lesers, die Texte wurden dem Inhalt entsprechend arrangiert - Schriftgröße, Bundausrichtung, Absätze ...
In seinen kurzen Texten gelingt Jens Neuling eine skurrile Mischung aus satirischem Humor, der bei genauerem Hinsehen eine ernsthafte Wahrheit enthält, die den Leser dazu nötigt, nachzudenken, sich mit den Texten und der eigenen Geschichte auseinander zusetzen. Manchmal grinst man, manchmal wird man verstört zurückgelassen, klappt das Buch zu, sieht aus dem Fenster, erinnert sich an Situationen, die bereits vergessen waren, und damit hat der Autor bereits gewonnen. Neuling will den Leser wachrütteln, möchte ihn aus der stumpfsinnigen Lethargie des Vorsichhinlebens wachrütteln, ihn anbrüllen mit einem: Schau dich doch mal um! Alles könnte so einfach sein - warum machst du es dir selbst so schwer?!
Die Texte provozieren ... oder legen die Gefühle des Autors selbst offen dar. In "Paradies? Es ruft" werden die religiösen Paradiese der Menschheit, den weltlichen, wie Karriere, Geld oder dem ich-muss-mir-selbst-was-beweisen-Paradiesen gegenübergestellt, mit der Aufforderung, diese selbstauferlegten Verpflichtungen doch einmal sein zu lassen ... mit dem Hintergedanken, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: dem Leben. Ein beliebtes Thema in den Gedankensplittern ist die Widersprüchlichkeit, die Gedanken oft haben können. "Der Widerspruch im Gegensatz ist schizophren", weiß Neuling, was in den Splittern "Gelebter Lebens-Widerspruch", "Parallelen", "Schritte" oder einige der zahlreichen ohne Titel zum Ausdruck kommt. Politische Ansätze, wie in "Frage?", dem Kurztext "Straßen-Kehrer" oder die unerfüllten Erwartungen in "Geliebtes Land", wobei das Vaterland gemeint ist, das der Autor im "falschen Licht" sieht, erreichen ihren Höhepunkt in "meine Definition": "Menschlichkeit und Menschenrecht / verdienen ihren Namen erst, / wenn sie nicht mehr im Namen der 'Moral' / Menschen von Menschen trennen und Zäune ziehen."
Auf diese Weise spricht Neuling mehrfach dem politisch Verdrossenen von der Seele, ... dem es einfach nur schwer fällt einen Sinn in der Sinnlosigkeit der geheuchelten Regierungen zu sehen, die sich nicht wirklich um den Menschen sondern stets nur um ihren eigenen Machterhalt kümmern.
Ebenso oft ... zeigt er auch Gefühle. Viele Gedichte scheinen Liebesbeweise an bestimmte Menschen zu sein, so auch bei "Ich sehe in dir", was mich besonders angesprochen hat, da auch ich einen geliebten Menschen habe, auf den Neulings Gedankensplitter zutrifft: "Ich weiß nicht ob ein Vogel, / nur weil er fliegen kann, / sich freier fühlt als Du." Gleichwohl aber auch das persönliche Wachrütteln bestimmter Menschen, die ein jeder von uns in seinem Bekanntenkreis findet, "Wir werfen sie über Bord!", wo es heißt "Die Antidepressivapille sieht aus wie eine Vitamintablette". Bestenfalls sind wir selbst diese Sorte Mensch. Wer an selbstzerstörerischen Depressionen leidet, sollte Neuling lesen. ... Die "Plage des Menschen" wird einem vor Augen geführt, und in "Drang" wird einem wieder klar, das es die beste Möglichkeit zu überleben ist, sein Leben auf das Leben selbst zu beschränken. Dabei ist Jens Neulings Sprache stets unbekümmert. Er spricht deutlich aus, was ... manche im Geheimen oft denken ... Dabei möchte er nicht belehren. Neuling zeigt nur, was ihm auffällt. Wer tiefschürfende Poesie sucht, ist hier jedoch an der falschen Adresse. Seine Gedichte reimen sich nicht, was gut ist, denn Reime würden nur den Sinn verschleiern.
"Mittendrin ist nicht genug" sei jedem ans Herz gelegt, der liebt, der flucht, der hasst, der glaubt - kurz: jedem der denkt, mittendrin zu sein.
Rezension von Jörg-rüdiger Groeger, 29553 Eitzen:
Mittendrin ist nicht genug, die Gedankensplitter von Jens
Neuling, sind wie Worte die auf Gedanken-Wellen surfen; seine Sätze, zumeist
kurz, manchmal harte Mitteilungen, gleichen dem Auftritt eines Slampoeten, der
sein Publikum mitreißt zum Worte-Surfen; Gedanken von verwirrend beim ersten
Lesen, über "Weisheiten" die dem richtigen Leben entspringen, bis hin zum
gefühlvollen Streicheln der Silben; um mit der nächsten Wort-Welle in die Tiefen
der Seelen zu stürzen. Jens Neuling ist erfrischend provozierend, eben einer der
"jungen Wilden", die den Mut haben, alte Schreibweisen zu überfliegen.
über den Autor - - - - - Verlagsprogramm
www.virpriv.de
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